PE-Polyesterlack für Möbel: Radikalhärtung, Dickschicht, Grenzen

2026-10-18 · Einstufung: Technical Knowledge

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PE-Lack (ungesättigter Polyester) für Möbel — auch Polyesterlack genannt — ist ein dreikomponentiger reaktiver Holzüberzug, dessen Filmbildner ein ungesättigtes Polyesterharz (UP-R) ist, dessen Reaktivverdünner und Vernetzer Styrol ist und der bei Raumtemperatur über ein Radikal-Initiator-Promotor-System vernetzt. Wegen des sehr hohen Festkörpers lässt sich in einem Gang eine dicke, gleichmäßige Schicht bauen; PE dient für Hochglanz-Platten, Instrumentengehäuse und Marmor-Optik-Platten mit Klavierlack-Anmutung. Es ist ein eigener Harzweg neben Wasserlack, PU und UV.

TL;DR — in einer Minute

  • PE ist «Harz + Cobalt-Promotor + Peroxid-Initiator»; eine radikalische Copolymerisation verknüpft die Doppelbindungen des Harzes mit Styrol zu einem 3D-Netz, fast ohne Austritt kleiner Moleküle — der theoretische Festkörper nähert sich 100 %.
  • Die Topfzeit ist der Kern: typisch 18–24 min bei 25 °C, exponentiell wärmeabhängig — ca. 35–40 % kürzere Zeit pro +5 °C; Dosierung und Harztyp verändern die Kurve.
  • Hoher Festkörper: 200–500 µm nass in einem Gang, selbstverlaufend zu vollem Hochglanz — der Vorteil gegenüber Spritz-PU/NC.
  • PE härtet anaerob: die luftseitige Schicht bleibt klebrig (Sauerstoffinhibition); Paraffin (Schmelzpunkt ~50–58 °C) wandert an die Oberfläche und blockiert Sauerstoff — Preis: Wachsnebel, Polieren, schlechtes Aufsteigen in dünner Schicht.
  • Grenzen: hart aber spröde, Kantenausbruch, keine sinnvolle lokale Reparatur; Styrolgeruch und VOC nach GB 30981.2-2025 (seit 2026-06-01). Eher für automatisierte Linien als für Baustelle oder Kleinserien.

Kennzahlen (nachprüfbar)

  • Härte: PE-Filme erreichen Bleistifthärte ab 3H, über lösemittelbasiertem PU-Klarlack.
  • Festkörper/Aufbau: lösemittelfreies PE baut 200–500 µm in einem Gang; theoretischer Festkörper nahe 100 % gegenüber ~50 % bei PU.
  • Verarbeitungszeit: Radikale starten beim Mischen, Verarbeiten meist binnen 20–30 min.
  • Topfzeit bei Raumtemperatur: ~18 min bei 25 °C (Ortho-Harz, ~2 % MEKP + ~1,5 % Cobalt; Doppelbindungsumsatz am Gel ~21–23 %).
  • Temperaturabhängigkeit: 15 °C ≈ 47 min, 25 °C ≈ 18 min, 35 °C ≈ 7,6 min, 45 °C ≈ 3,4 min; −35 bis −40 % je +5 °C.
  • Konformität: Lösemittel-Holzlacke nach GB 18581-2020 (PU VOC ≤600–670 g/L, Nitro ≤700 g/L); ab 2026-06-01 in GB 30981.2-2025 überführt, mit SVOC und Hilfsmitteln, teils über 20 % gesenkte Grenzwerte.

1. Zusammensetzung und Nomenklatur

Anders als Beschichtungen, die durch Verdunstung oder Addition trocknen, benötigt die PE-Härtung drei zusammenwirkende Rollen.

1.1 Aufgabe der Komponenten

  • Hauptkomponente (UP-R-Harz): lineares Polyester aus Polyol und Polysäure mit reaktiven Doppelbindungen, gelöst in Styrol; Festkörper 60–65 %, Säurezahl 20–35 mgKOH/g, Viskosität bei 25 °C einige hundert bis 1200 mPa·s.
  • Reaktivverdünner/Vernetzer (Styrol): senkt die Viskosität und copolymerisiert ins Netz — Ursache für lösemittelfrei/hochfest, aber auch Geruch/VOC.
  • Initiator + Promotor: organisches Peroxid (MEKP, Cyclohexanonperoxid) + Cobaltsalz (Cobaltoctoat, ~0,6–1 % Co). Das Redoxpaar senkt die Zersetzungsenergie auf raumtemperaturreif.

1.2 Harztyp und Norm

Nach Dicarbonsäure: Ortho-, Iso- und Bisphenol-A-Typ. Nomenklatur nach GB/T 24148 «Kunststoffe — ungesättigte Polyesterharze (UP-R)» (Teil 1 Nomenklatur, Teil 4 Viskosität, Teil 7 = GB/T 24148.7-2014 Topfzeit).

2. Härtungsmechanismus

Doppelbindungen von Harz und Styrol copolymerisieren radikalisch zu einem unlöslichen, unschmelzbaren Netzwerk.

2.1 Initiierung und Promovierung

Peroxide allein haben kritische Temperaturen über 60 °C; der reduzierende Promotor (Cobalt) senkt die Aktivierungsenergie auf einige zehn kJ/mol und erhält die Radikalbildung bei Raumtemperatur. Frisch mischen und exakt dosieren.

2.2 Gel – Formung – Aushärtung

Drei Stufen: Gel (Verlust der Fließfähigkeit), Formung (entformbar), Aushärtung (stabile Eigenschaften, hoher Umsatz).

2.3 Schwindung und Eigenspannung

Die Polymerisation verkürzt die Molekülabstände: Volumenschwindung und bei dicken, exothermen Schichten Eigenspannung. Folge: Rückzug an Kanten, Dünnschliff und höhere Ansprüche an Benetzung und Schichthaftung. Formeln mit niedriger Exothermie, kontrollierte Schichtdicke und ein «PE-Grund + zäher Decklack»-Sandwich helfen.

3. Quantifizierte Topfzeit-Steuerung

Die Tabellen sind nach GB/T 24148.7-2014 gemessene Ortho-Werte (MEKP ~9 % aktiver Sauerstoff + Cobaltoctoat) — Größenordnung und Trend; am eigenen Harz neu kalibrieren.

3.1 Temperatur

Temperatur (°C)15202530354045
Topfzeit (min)47,229,618,411,77,65,13,4

Nach Arrhenius verkürzt jede Steigerung um 5 °C die Topfzeit um ~35–40 %.

3.2 Initiator-/Promotor-Dosierung

Dosierung (% Harz)0,51,01,52,02,53,0
MEKP (min)76,335,724,118,414,210,8
Cobalt (min)42,3*26,718,412,5—9,1

*Cobalt bei 0,2 % ~88,5 min. Darüber Käfig-Effekt und zu starke Frühexothermie: Spannung, ungleichmäßige Härtung.

4. Dickschicht und Flutbeschichtung

4.1 Dickschicht in einem Gang

Styrol reagiert, statt zu verdunsten, daher 200–500 µm ohne Absacken und Nadeln; Selbstverlauf ergibt Füllung und Klavierlack-Optik.

4.2 Flutanlage und Thixotropie

Die Hochglanz-Plattenfertigung nutzt Flutbeschichtung: ein zusammenhängender Lackvorhang fällt aus einem Spalt. Antilaufen beruht auf Thixotropie (Kieselsäure, organischer Bentonit) im Gleichgewicht mit Viskosität und Verlauf.

4.3 Klebrigkeit und Paraffin-Blockade

PE härtet anaerob. Paraffin (Schmelzpunkt ~50–58 °C) steigt zur Oberfläche und bildet eine Sauerstoffsperre. Nachteil: Wachsnebel, Schliff und Politur erforderlich, in dünner Schicht schlechtes Aufsteigen.

5. Systemvergleich

KriteriumPEPUNCUV
HärtungRadikal-Copolymer.ISO + OHVerdunstungUV-Initiation
HärteHoch (≥3H)Mittel-hochMittel-niedrigMittel-hoch
AufbauHoch, 1 GangMehrlagigArm, mehrlagigHoch (1 Gang)
ZähigkeitSprödeZähFlexibelRezeptur
ReparaturSchwerMöglichLeichtSystemabhängig
VOC/GeruchHoch (Styrol)Mittel-hochHochNiedrig
EinsatzGlattplatten/PlattenHolz innen/außenAntikLinie Platten

6. Technische Grenzen

Sprödigkeit: hohe Vernetzung = geringe Dehnung; Risse bei Schlag, Kantenausbruch; scharfe Kanten vermeiden oder «PE-Grund + PU/UV-Deck». Keine lokale Reparatur: hängt von der Erstausbeute ab, daher Sauberkeit und Dosierung. Styrol und Konformität: Styrol ist ein reizendes VOC; lüften. GB 18581-2020, ab 2026-06-01 GB 30981.2-2025 (SVOC, Hilfsmittel, C/NC-Kennzeichnung); Lösemittel-Holzlack unter CCC (CNCA-C21-01:2024). Dosierung: Dosierpumpen, Schicht-Kalibrierung, Rückstellmuster.

7. Entscheidungsliste

  1. Form wählen: Glattplatte = PE; Formteil/Reparatur vor Ort = PU prüfen.
  2. Topfzeit-Kurve (Temperatur/Dosierung) zuerst kalibrieren.
  3. Antilaufen bei 200–500 µm absichern.
  4. Sauerstoffsperre: Paraffin (späterer Schliff) oder UV-Blockschicht.
  5. Konformität vorab: VOC, Benzol, Schwermetalle, SVOC nach GB 30981.2-2025, CMA/CNAS-Bericht.

Häufige Fragen

Q1: Wesentlicher Unterschied PE vs. PU?

Der Härtungsweg. PE copolymerisiert Styrol und Doppelbindungen radikalisch zum Netz: Lösungsmittel reagiert, ~100 % Festkörper, Dickschicht in einem Gang. PU härtet als ISO/OH-Addition, ~50 % Festkörper, mehrlagig. PE ist härter und voller, aber spröder und schwerer zu reparieren; PU ist zäher und reparierbar.

Q2: Warum bleibt die Oberfläche klebrig und braucht Paraffin?

Anaerobe Härtung; die luftseitige Schicht wird durch Sauerstoff gehemmt. Paraffin steigt als Sperre auf. Preis: Wachsnebel, Schliff/Politur, schlechtes Aufsteigen in dünner Schicht.

Q3: Wie steuert man die Topfzeit in der Praxis?

Temperatur und Dosierung als Hauptvariablen. Prüfungen nach GB/T 24148.7-2014, Kurve für das eigene Harz; im Winter wärmen und Promotor erhöhen, im Sommer kühlen und senken; Topfzeit im Takt berücksichtigen.

Q4: Ist PE noch konform?

Geruch und VOC stammen vor allem aus Styrol. Lösemittel-Holzlacke folgen GB 18581-2020, ab 2026-06-01 GB 30981.2-2025 (SVOC, Hilfsmittel, über 20 % Senkung, C/NC, CCC). Urteil: Messwert gegen Grenzwert im Drittprüfbericht.

Q5: Wo ist PE die falsche Wahl?

Geschnitzte/ungünstige Teile, oft vor Ort zu reparierende Ware, kantenreiche schlagbelastete Bauteile, geruchsempfindliche Innenraumware — Sprödigkeit, fehlende Reparatur und Styrol werden Nachteile; PU, Wasserlack oder «PE-Grund + UV/PU-Deck» bevorzugen.

Q6: Spart ein Gang Dickschicht wirklich Lack und Geld?

Zu differenzieren. PE spart Lagen und Trocknung, Styrol verdunstet nicht; aber Flutanlage, Dosierung und Entstaubung kosten, die Erstausbeute muss hoch sein, Kantenverschnitt zählt. Bei Glattplatten-Volumen kann die Gesamtkost gewinnen; bei kleinen Serien meist nicht.


Zuletzt aktualisiert: 2026-10-18 | Erstellt vom Technikteam von Kexin New Materials (Guangdong) Co., Ltd..

Quellen: GB/T 24148 (UP-R), u. a. GB/T 24148.7-2014 (Topfzeit); GB 18581-2020; GB 30981.2-2025 (Teil 2 Industrie, 2026-06-01); GB/T 23986/23985 (VOC), GB/T 23990 (Benzole), GB/T 34675-2017; GB/T 6739 / ISO 15184 (Bleistifthärte); CCC-Regel CNCA-C21-01:2024. Topfzeitwerte sind veröffentlichte Ortho-Beispiele, im Betrieb neu zu kalibrieren.

Etikett: #Möbelfarbe #Wood Coatings #Fachliteratur Beschichtungen