Auswahl von Lösungsmitteln und Formulierungsgestaltung bei Beschichtungen

2026-06-15 · Einstufung: Technical Knowledge

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Einleitung: Das Lösemittel – die fünfte Komponente der Beschichtung – bei richtiger Wahl halb so viel Arbeit bei doppeltem Erfolg, bei falscher Wahl das ganze Spiel verloren.

Lösemittel sind in Beschichtungen keine endgültig in der Schicht verbleibenden Komponenten – sie sind jedoch entscheidend dafür, ob die Beschichtung problemlos appliziert und filmbildend wird. Die drei Rollen des Lösemittels: (1) Harz lösen – Viskosität senken – Beschichtung applizierbar machen (echtes Lösemittel – Löslichkeitsparameter passend zum Harz); (2) Verdunstungsrate regulieren – Ablaufzeit und Trocknungsgeschwindigkeit steuern (Hilfslösemittel – unterstützt Lösung + verlängert die Offenzeit); (3) Kosten senken – Verdünner – löst Harz nicht, senkt aber die Viskosität – reduziert die Rezepturkosten. Die wissenschaftliche Grundlage der Lösemittelauswahl sind die Hansen-Löslichkeitsparameter (HSP – δD Dispersionskraft/δP Polarität/δH Wasserstoffbrückenbindung im dreidimensionalen Raum) – je kleiner der HSP-Abstand Ra zwischen Harz und Lösemittel, desto stärker die Lösekraft – Ra<8 löslich – Ra<4 sehr leicht löslich.

Auswahl von Lösemitteln in Beschichtungen und Rezepturentwicklung - Szenenbild

Die Auswahl des Lacklösemittels basiert auf den Hansen-Löslichkeitsparametern (HSP) und der Lösemittelverdampfungsrate (RER – Bezugsgröße Butylacetat = 1,0) – echte Lösemittel (Ra<4 – sorgen für Lösekraft), Hilfslösemittel (Ra8 – dienen nur der Viskositätsreduzierung und Kosten senkung) bilden das Lösemitteldreieck der Formulierung – durch eine sinnvolle Kombination wird das optimale Gleichgewicht zwischen vollständiger Harzlösung, Verarbeitungsviskosität und Trocknungsgeschwindigkeit erreicht – gleichzeitig werden die Umweltanforderungen der VOC-Vorschriften (GB 30981/GB 38468/EU Decopaint) erfüllt.

I. HSP-Parameter und Verdunstungsraten gängiger Lösemittel

Lösungsmittel δD δP δH RER (Butylacetat = 1) Siedepunkt (°C) VOC-Befreiung
Xylol 17.8 1.0 3.1 0.7 138-144 Nein
Butylacetat 15.8 3.7 6.3 1.0 (Referenz) 126 Nein
Aceton 15.5 10.4 7.0 5.5 (sehr schnell) 56 Ja (EPA/GB befreit)
Butanol 16.0 5.7 15.8 0.4 (langsam) 118 Nein
PCBTF 16.6 3.0 2.0 0.9 139 Ja (EPA befreit – enthält F/Cl)
Propylenglykolmonomethylether (PM) 15.6 6.3 11.6 0.6 120 Nein
Auswahl und Rezepturentwicklung von Lösungsmitteln in Beschichtungen – Prozessflussdiagramm
Auswahl und Rezepturentwicklung von Lösungsmitteln in Beschichtungen – Anwendungsszenario-Darstellung

Häufig gestellte Fragen

Q1: Hansen-Löslichkeitsparameter – Was bedeutet Ra<4 löslich – und wie wendet man es an?Hansen zerlegte den Löslichkeitsparameter in drei Dimensionen – δD (Dispersionskräfte), δP (polare Kräfte) und δH (Wasserstoffbrückenkräfte). Der Abstand Ra zwischen Lösungsmittel und Harz im dreidimensionalen Raum ist =√[4(ΔδD)2+(ΔδP)2+(ΔδH)2]. Je kleiner Ra – desto vertrauter sind Lösungsmittel und Harz – desto stärker die Lösekraft. Am Beispiel von Alkydharz – dessen HSP etwa (δD=18,δP=8,δH=6) beträgt – der HSP von Xylol (δD=17.8,δP=1,δH=3.1) – Ra≈7.9 – Ra<8 ist löslich, aber nicht optimal – das ist der Grund, warum Xylol Alkydharz lösen kann, aber zum Verbessern der Löseeffizienz Erhitzen oder Hilfslösungsmittel erfordert.

Q2: VOC-befreite Lösemittel – Aceton/PCBTF – zählen nicht als VOC – darf man sie einfach beliebig verwenden?Aceton und PCBTF werden von der US-EPA und dem chinesischen GB-Standard als VOC-befreit aufgeführt – weil ihre photochemische Reaktivität in der Atmosphäre extrem gering ist – und sie nicht an der Bildung von photochemischem Smog (Ozon) beteiligt sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht flüchtig oder ungiftig sind – PCBTF hat einen Siedepunkt von 139 °C – es verdunstet dennoch – es wird lediglich nicht in die VOC-Emissionen eingerechnet. Zudem ist PCBTF teuer (50–80 Yuan/kg – das 5- bis 8-Fache von Xylol) – enthält Fluor/Chlor – und erfordert bei der Verbrennungsentsorgung eine spezielle Behandlung. Befreite Lösemittel sind eine technische Lücke in der Umweltgesetzgebung und kein Freifahrtschein – der Einsatz erfordert eine sorgfältige Bewertung von Kosten und Endentsorgung.

Q3: Die Dreiecks-Rezepturlogik von echten Lösemitteln/Hilfslösemitteln/Verdünnungsmitteln?Echtes Lösemittel (Kern der Lösekraft – 30–50 %): Ra<4 gegenüber dem Harz – sicherstellen, dass das Harz vollständig gelöst wird – Lack transparent und frei von Partikeln. Hilfslösemittel (Hilfslösung + Verdunstungsregulierung – 20–40 %): Ra8 – löst das Harz nicht – rein zur Viskositäts- und Kostenreduzierung – aber Überschuss führt zur Harzausfällung – Lack wird trüb. „Das mit dem Verdünnungsmittel gesparte Geld = Harzausfällung = Beschichtung Ausschuss“.

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Zusammenfassung

Beschichtungssolventien – Echtsolvent (Ra<4) + Hilfslösemittel (Ra8) = Formulierungslösemittel-Dreieck. Hansen HSP ist das zentrale wissenschaftliche Werkzeug für die Lösemittelauswahl – die Verdunstungsrate (RER) bestimmt das Verarbeitungsfenster. VOC-Vorschriften und befreite Lösemittel (Aceton/PCBTF) sind die umweltgerechten Restriktionen beim Formulierungsdesign. Kexin New Materials bietet Optimierung von Lösemittelrezepturen und VOC-Konformitätslösungen – mit minimalem Lösemittel die beste Löslichkeit erzielen – strengste Vorschriften erfüllen.

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